Künstlerin Neta Dor Lemelshtrich israelische Kunsthistorikerin und Kunstkritikerin, 2002

"Mit 'Metamorphosen', einer Serie von etwa 50 Computerzeichnungen, hat
die israelische Künstlerin Neta Dor Lemelshtrich einen kühnen Sprung in die Welt des
Computers und der digitalen Technik gewagt. Dies ist eine in vielerlei
Hinsicht überraschende Entwicklung. Nicht zuletzt deshalb, weil Dor sich
seit über 20 Jahren vorwiegend mit der Erzeugung traditioneller
künstlerischer Drucke romantischer Natur beschäftigte.
Schnell lernte Dor den Computer mit seinen viele Möglichkeiten bietenden
graphischen Programmen zu schätzen, die eine Freiheit und Spontaneität
bieten, welche mit dem Medium der Radierung nicht erreichbar sind, bei
dem sie jedes Detail vorplanen mußte. Eine der vielen Annehmlichkeiten
der Arbeit mit diesem neuen Medium ist ihr zufolge die Tatsache, dass sie
sich das endgültige Bild und seine Wirkung vorher nicht bis in die letzte
Einzelheit vorstellen muß. Dor schwelgt geradezu in dem Element der
Überraschung, wenn etwas Unvorhersehbares auf ihrem Bildschirm sichtbar
wird.

Zudem scheint sie auch entdeckt zu haben, was Matisse einst als die
"Leidenschaft für Farbe" bezeichnet hat. Dementsprechend ist sie von der
monochromen oder zurückhaltenden Farbskala, die ihre Radierungen
bisher auszeichneten, zu lebendigeren und vielfältigeren Ausdrucksformen
übergegangen, indem sie sich eine individuelle Farbpalette erarbeitete, die
sie speichern und jederzeit abrufen kann. Darüber hinaus hat die Fähigkeit
des Computers, Bilder und Formen auf der Stelle überblenden, vermischen,
verkleinern, zerteilen oder multiplizieren zu können, Dors Kreativität
zweifellos gefördert und ihrer Arbeit eine spannende Wendung gegeben."